Über mich

Gudrun Petrik’s Buch Bilderfragen – Bilderleben: Erinnern und wieder Vergessen – Bilder

Laudatio von Marlies Lüdtke

zur Eröffnung der Ausstellung komPositionen von Gudrun Petrik am 5.10.2013:

Gudrun Petrik? Wer ist diese Frau? Oder vielleicht besser, Was verbirgt sich hinter dieser Person?- Diese Frage habe ich mir zu allererst gestellt, nachdem ich die Unterlagen, die mir zur Verfügung gestellt worden waren, kurz überflogen hatte.

Was sich mir unter anderem darbot, war eine Kurzvita, die auf drei abgeschlossene Studiengänge und auf Grund weiterer Informationen auf einen vollen Terminkalender über Jahre hinaus verwies. – Eine Karrierefrau, die sich der Kunst verschrieben hatte?

 

Ich habe sie dann besucht, wir haben über dies und jenes geplaudert und schlussendlich in einer Art Zeremonie immer ein Bild nach dem anderen auf uns wirken lassen.

 

Sie zeigen- auf den ersten BlickFarbfelder, die sich aneinander anlehnen, sich überdecken, überlappen gemischt aus den Primärfarben Rot, Blau, Gelb und Weiß.

 

Aber eben nur auf den ersten Blick…beim näheren auf sich wirken Lassen, sich Einlassen, verändern sich die Bilder im Auge des Betrachters und es lässt sich eine Beziehung aufbauen, wenn man es denn so will.

 

Es ist, als ob wir auf eine Person träfen, die uns anzieht, die wir näher kennen lernen möchten –(könnten das auch wir selbst sein?)- oder eben nicht; wenn nicht dann schweift unser Blick nur kurz über die Oberfläche, gleitet ab, wendet sich Anderem zu.

 

Will heißen, Berührungspunkte wollen austariert werden, es braucht Zeit und Ruhe.

 

Über eins brauchen wir uns keinen Illusionen hinzugeben, das Geheimnis, was das Werk und seine Schöpferin anbelangt, wird immer eines bleiben. Das ist auch so gedacht.

Schließlich entstand es unter Schweiß und Tränen und unterliegt einem längeren Entwicklungsprozess, vonstatten gegangen weit bevor die Farben gemischt wurden.

Die Formen entstehen dann fast wie von Geisterhand durch den Farbauftrag, die Hand ist dabei das Medium der Seele.

 

Was können sie- diese Werke- aber nun für uns sein?

 

Bilder, die uns berühren, lassen uns innehalten und wir können in Dialog treten.

 

Der Blick wandert, sucht, wird ruhiger, bleibt haften. Wir können eintreten, – in einen Raum, der uns durch seine Begrenztheit auch Sicherheit und eine klärende Ordnung vermittelt.

 

Sie geben uns etwas zurück, wenn wir bereit sind, auch von uns etwas preiszugeben.

 

Sie lenken uns auf uns selbst zurück, wenn wir uns auf sie einlassen.

 

Die Intensität bestimmen wir dabei selbst.

 

 

 

 

Dieser Gedanke gefällt mir dabei besonders gut.

 

Ich bin frei und kann meinen Dialog je nach Befinden gestalten.

 

Es wird sich nichts wiederholen, da meine Stimmungen, mein ganzes Sein stets anders sind.

 

So lebendig wir sind, ist auch das Werk und das für jeden ganz individuell.

 

Die Bilder wollen nicht nur aufgrund ihrer Farbzusammenstellung und ihrer Form existieren, sie wollen Inhalt und Leben widerspiegeln.

 

Aber dazu müssen wir unseren Part leisten, dann können sie für uns eine Bereicherung sein, die über den ästhetischen Aspekt, das Äußere betreffend hinausgeht.

 

Möglich ist aber all das nur, wenn den  Bildern ein Rest von Geheimnis  anhaftet,

wenn sie nicht zu direkt sind, uns Spielräume lassen, um uns einzubringen und dann auch  einen persönlichen Gewinn aus dieser Begegnung – Bild-Betrachter– zu erzielen,

wie immer er auch sein mag.

 

Um nun abschließend meine anfängliche Fragestellung zur Person Gudrun Petriks nochmals aufzugreifen:

Durch die Auseinandersetzung mit dem Werk und der Person habe ich den roten Faden spannen können:

von der Psychologie, der Pädagogik über die Kunstgeschichte hin zu ihrer eigenen Malerei und Lyrik, die auch eines ihrer Ausdrucksformen ist.

So findet jetzt wohl alles Menschliche, das zunächst im Mittelpunkt ihrer Studien und ihrer Arbeitswelt gestanden hat, Eingang in ihre Werke.

 

Und um es mit den Worten Ingeborg Bachmanns abzurunden, ich zitiere aus zweiter Hand aus Gudrun Petriks Diplomarbeit, die sie im Fach Kunstgeschichte eingereicht hat:

 

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schreiben (oder malen).